Seit November vergangenen Jahres stehen die Agenturen von Global Personal Partner (GPP) im Mittelland unter der Verantwortung von André Affolter. Bereits kurz nach seiner Ernennung sah sich der Berner mit der Coronavirus-Krise konfrontiert, die – auch wenn sie die deutschsprachige Schweiz nicht in der gleichen Weise wie die französische Schweiz traf – sich dennoch auf die Wirtschaftslage auswirkte. Doch die fünf von ihm verwalteten Niederlassungen mit ihren rund 20 Mitarbeitern befinden sich weiterhin auf Kurs und haben zahlreiche Projekte vorzuweisen.

André Affolter, Sie sind bei GPP für die Region Mittelland verantwortlich. Welche Bilanz ziehen Sie nach diesem ersten Halbjahr, das vor allem von der Covid-19-Pandemie gekennzeichnet war?

Wir konnten einen guten Start ins Jahr 2020 verzeichnen. Wir hatten verschiedene Projekte für den Markt geplant und wollten zudem die Synergien zwischen unseren verschiedenen Niederlassungen ausbauen. Mit der Einführung des teilweisen Lockdowns und der Abstandsregeln musst wir diese Projekte natürlich erst einmal auf Eis legen. Aber auch wenn ich persönlich diese Krise als Notbremsung auf der Autobahn erlebt habe, also als ein brutales, aber notwendiges Eingreifen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus, muss man auch sagen, dass wir eine massive Zunahme der Nachfrage im Online-Handel gesehen haben.

Heisst das, dass die Auswirkungen der Krise begrenzt waren?

Eines ist klar: Die Situation hat eine Vielzahl von Fragen aufgeworfen, insbesondere was die Gewährung einer Entschädigung für Temporärmitarbeiter im Falle einer Arbeitszeitverkürzung betrifft. Es es ist noch zu früh, um zu sagen, dass wir das Schlimmste überstanden haben. Gleichzeitig bot die Krise für viele Unternehmen aber auch Gelegenheit, ihre Prozesse neu zu überdenken und diese anzupassen, wobei die Einstellung neuer Mitarbeiter häufig eine Schlüsselrolle spielte.

Welche Ziele haben Sie bis zum Jahresende?

Wir möchten unsere Präsenz im Schweizer Mittelland verstärken, wo wir derzeit über fünf Niederlassungen in Aarau, Bern, Egerkingen, Solothurn und seit kurzem auch in Thun verfügen, und anschliessend unsere Tätigkeit im Berner Oberland ausbauen. Die Region weist ein erhebliches Wachstumspotenzial auf und unsere Aufgabe wird es sein, unsere Zusammenarbeit mit unseren bestehenden Kunden zu intensivieren und starke Beziehungen zu neuen Unternehmen zu knüpfen.

Wie ist derzeit die Stimmung in der deutschsprachigen Schweiz?

Viele Beobachter sind der Ansicht, dass sich die Wirtschaft derzeit in einer Rezession befindet. Und natürlich sehen sich Sektoren wie die Tourismusbranche, das Gastgewerbe oder auch die Uhrmacherei und der Maschinenbau aktuell mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Dabei ist noch nicht absehbar, ob sich die in den vergangenen Wochen ergriffenen Lockerungsmassnahmen positiv auswirken werden. Aber auch wenn die Investoren derzeit sicher noch vorsichtig sind, gehe ich davon aus, dass sich die Nachfrage nach Fest- und Temporäranstellungen in bestimmten Sektoren allmählich wieder erholen wird.

Worin besteht aktuell Ihre grösste Herausforderung?

Ob Krise oder nicht: In der Schweiz herrscht weiterhin ein akuter Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Wir haben hier gute Chancen, denn wir ermitteln jederzeit das optimale Profil, um die Bedürfnisse unserer bestehenden und potenziellen Unternehmenskunden zu erfüllen. In dieser Hinsicht ist die Zugehörigkeit von GPP zur Interiman Group ein klarer Vorteil: Dank des flächendeckenden Filialnetzes können wir uns als unverzichtbarer Anbieter in der Schweiz positionieren und von wertvollen Synergien profitieren.

Können Sie Ihren beruflichen Werdegang in wenigen Worten beschreiben?

Ich wuchs in der malerischen und friedvollen Umgebung des Emmentals auf, wo ich eine Ausbildung als Maschinenmechaniker abschloss. Mit 24 hatte ich das Glück, in eine verantwortliche Position berufen zu werden, was mich allerdings nicht daran hinderte, eine zusätzliche Ausbildung als Automatikfachmann zu machen. Anschliessend arbeitete ich für einige Zeit als Teamleiter Montage bei einem Automobilzulieferer in der französischen Schweiz.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dieser Erfahrung in der französischen Schweiz?

Ich hatte vor allem Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, was mich sehr gefreut hat. Und im Nachhinein würde ich sagen, dass mich diese Position am stärksten geprägt hat, sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher Ebene. Man stand ständig unter Druck: Lieferzeiten mussten eingehalten werden und es bestand Null-Fehler-Toleranz bei den Teilen, die das Team und ich 365 Tage im Jahr fertigten. Später wechselte ich als Leiter des operativen Geschäfts zu einem renommierten Zulieferer der Uhrenindustrie, wo ich für rund 100 Mitarbeiter verantwortlich war. Nebenbei absolvierte ich ein zweijähriges BWL-Studium, bevor ich zunächst die Rolle als Produktionsleiter und anschliessend als stellvertretender Geschäftsführer bei einem Berner Beschichtungsunternehmen übernahm. Als ich 2015 mit Roman Cornu, CEO von GPP, zusammentraf, schlug er mir vor, die Niederlassung in Solothurn zu eröffnen, und ich zögerte nicht eine Sekunde, diese Herausforderung anzunehmen.

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